Yoga üben, nicht Yoga können

Yoga üben, nicht Yoga können

Yoga ist immer ein Prozess, keine Perfektion. Es geht nicht darum, etwas „zu können“, sondern darum, beständig zu üben und dranzubleiben. Erfahre im Blogbeitrag, warum Yoga eine lebenslange Praxis ist und wie die Yoga-Philosophie diesen Gedanken unterstützt.

Yoga ist kein Ziel, sondern ein Weg

Viele Menschen glauben, Yoga sei etwas, das man „können“ muss – als wäre es eine Fähigkeit, die man irgendwann abschließt. Oft besteht auch der Irrglaube, man müsse besonders flexibel oder dehnfähig sein, um mit Yoga zu beginnen. Doch in Wirklichkeit ist Yoga eine Praxis, eine ständige Entwicklung, die für jeden zugänglich ist. Es gibt kein Endziel, sondern nur den gegenwärtigen Moment, in dem wir üben. Selbst erfahrene Yogis lernen stetig weiter und entdecken immer wieder neue Aspekte ihrer Praxis.

Die Philosophie des Übens: Patanjalis Acht Stufen des Yoga

Die Yoga-Philosophie lehrt uns, dass es nicht um Perfektion geht, sondern um einen bewussten, kontinuierlichen Weg. Patanjalis achtgliedriger Pfad des Yoga („Ashtanga“) beschreibt diesen Prozess:

1. Yamas (ethische Prinzipien) – Wie wir mit der Welt umgehen

2. Niyamas (Selbstdisziplin) – Wie wir mit uns selbst umgehen

3. Asanas (Körperhaltungen) – Das Üben der Körperstellungen

4. Pranayama (Atemkontrolle) – Die bewusste Lenkung des Atems

5. Pratyahara (Rückzug der Sinne) – Innere Achtsamkeit entwickeln

6. Dharana (Konzentration) – Fokussierung des Geistes

7. Dhyana (Meditation) – Vertiefte Versenkung

8. Samadhi (Erleuchtung, Einheit) – Das höchste Ziel des Yoga

Diese Stufen verdeutlichen ganz klar, dass Yoga nicht nur körperliche Bewegung und kein „Sport“ ist, sondern eine ganzheitliche Praxis, die uns stetig wachsen lässt.

Ein gutes Beispiel dafür ist die regelmäßige Praxis von Asanas: Am Anfang kann eine Vorbeuge oder der herabschauende Hund unangenehm oder schwer erscheinen, doch mit der Zeit entwickelt sich nicht nur deine körperliche Beweglichkeit, sondern auch eine innere Akzeptanz für den eigenen Fortschritt.

Ebenso zeigt sich bei der Meditation, dass man nicht von Anfang an in tiefer Ruhe versinkt – vielmehr geht es darum, immer wieder zurück zur Achtsamkeit zu finden, egal wie oft die Gedanken abschweifen. Das stetige Üben macht den Unterschied, nicht das vermeintliche „Können“.

Jeder Tag ist anders – und das ist in Ordnung

Einer der größten Irrtümer ist, dass Yoga immer „funktionieren“ muss. Manche Tage fühlen sich die Asanas leicht und fließend an, während an anderen Tagen selbst eine einfache Vorbeuge schwerfällt. Das ist völlig normal. Unser Körper und Geist unterliegen ständigem Wandel – beeinflusst durch Schlaf, Ernährung, Stress oder äußere Umstände. Yoga lehrt uns, diese Schwankungen mit Gelassenheit anzunehmen, anstatt dagegen anzukämpfen.

Statt Perfektion anzustreben, geht es darum, mit sich selbst in Verbindung zu treten und den eigenen Zustand achtsam wahrzunehmen. Vielleicht braucht dein Körper heute mehr sanfte Bewegungen oder dein Geist eine ruhige Atemübung, um in Balance zu kommen. Jeder Tag ist eine neue Gelegenheit, mit Geduld und Mitgefühl zu üben – ganz ohne Druck, etwas Bestimmtes erreichen zu müssen.

Yoga üben bedeutet, präsent zu sein

Beim Yoga geht es nie darum, die perfekteste Haltung zu erreichen oder mit anderen zu konkurrieren. Viel wichtiger ist die bewusste Wahrnehmung des eigenen Körpers, des Atems und des Geistes.

Deine zwei Quadratmeter Matte im Übungsraum oder Yoga-Studio sind ein geschützter Raum, in dem du lernen kannst, achtsam mit dir selbst umzugehen – eine Fähigkeit, die weit über die Matte hinausgeht.

Nutze jede Praxis als eine Gelegenheit, dich selbst besser kennenzulernen und im Moment zu sein und zu bleiben, damit du das, was du dort erfährst, mit in deinen Alltag nehmen kannst. Die Ruhe, die wir auf der Matte finden, kann uns helfen, auch außerhalb des Yoga-Studios gelassener und bewusster zu reagieren.

Der Weg ist das Ziel

Yoga ist ein Weg, kein Wettbewerb. Es heißt nicht ohne Grund „Yoga üben“ und nicht „Yoga können“ – denn nur durch das fortwährende Praktizieren entfaltet sich seine volle Wirkung. Wenn du dich darauf einlässt, kannst du entdecken, dass Yoga weit über die Matte hinausgeht und eine tiefe Veränderung in deinem Leben bewirken kann. „Im Yoga geht es nicht darum, dass du deine Zehen berühren kannst, sondern darum, was du auf dem Weg dorthin gelernt hast“ (Yogi Jigar Gor).

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